Fünf Jahre YouTube

26. Mai 2010

Einmal ganz ehrlich: Wer kann sich heute noch ein Leben ohne YouTube vorstellen? Die meisten würden wohl eher auf ihren Fernseher verzichten als auf YouTube. Und das hat gute Gründe.

YouTube im Jahr 2005

YouTube im Jahr 2005

Begonnen hat alles im Februar 2005 als die drei ehemaligen PayPal-Mitarbeiter Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim nach einem Weg suchten, sich gegenseitig Videos zu zeigen, ohne sie dazu per E-Mail versenden zu müssen (wer im Jahr 2005 oder früher schon Internet hatte, kann sich vielleicht noch an die riesigen Video-Dateianhänge erinnern, die unsere Mailboxen belasteten). Zu diesem Zweck entwickelten sie die Videostreamingplattform YouTube. Das englische Wort “Tube” bedeutet wortwörtlich Röhre (in Österreich würde man wohl eher “Fernsehkastl” oder “-kisten” sagen, in Deutschland “Glotze”), YouTube kann man also die Bedeutung “Du, Röhre” oder besser “Du sendest” zuweisen. Am 14. Februar 2005 ging www.youtube.com online, das allererste Video wurde am 23. April 2005 hochgeladen und zeigt Jawed Karim bei einem Besuch im Zoo. Es ist immer noch online:

Nach einer geschlossenen Betaphase wurde YouTube im November 2005 schließlich für alle geöffnet und erfreute sich schon bald großer Beliebtheit. Etwas mehr als ein halbes Jahr später wurden bereits mehr als 65 000 Videos pro Tag hochgeladen und 100 Millionen Videoaufrufe pro Tag registriert. Zur selben Zeit versuchte Google mit seinem Dienst Google Video sein Glück, allerdings nur mäßig erfolgreich. (Heute heißt der Dienst Google Videos und ist eine Videosuchmaschine.) Im Oktober 2006 schließlich entschied sich Google, YouTube für sagenhafte 1,6 Milliarden Dollar aufzukaufen. In diesem Video freuen sich die YouTube-Gründer über das Geld:

Lange Zeit wurde das für eine der dümmsten Investitionen der Internetgeschichte gehalten, da die gängige Meinung war, mit YouTube könne man kein Geld verdienen und Google machte mit YouTube tatsächlich gewaltige Verluste. Doch ließ man sich bei Google nicht entmutigen und entwickelte Methoden, Content Provider und Labels mittels auf sie zugeschnitter Werbung zu entlohnen. Ob YouTube mittlerweile Gewinn schreibt, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Faktum ist aber, dass die nach Google weltweit zweitgrößte Suchmaschine nicht Yahoo oder Bing heißt, sondern YouTube und das sagt glaube ich alles.

Es wird geschätzt, dass derzeit rund 24 Stunden Videomaterial pro Minute auf YouTube hochgeladen werden. Ich wünsche YouTube für die nächsten fünf Jahre alles Gute und würde mich freuen, ein paar eurer liebsten YouTube-Videos in den Kommentaren wiederzufinden.

Viral Video Compilation (versucht mitzuzählen, wieviele ihr kennt):

Ein Video, das bedeutend zum Sieg Barack Obamas beigetragen hat:

Weiterlesen:
YouTube in der deutschen Wikipedia
YouTube in der englischen Wikipedia


Diaspora

18. Mai 2010

“Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.”

Dieses Zitat stammt aus Friedrich Dürrenmatts “Die Physiker” und bezieht sich eigentlich auf die Erfindung der Nuklearwaffen. Im damals herrschenden Kalten Krieg wurde vielen bewusst, welch ungeheuerliche Gefahren von technischem Know-How ausgehen. Eine ganz andere Dimension bekommt dieses Zitat für mich jedoch durch Facebook. Dort ist es nämlich tatsächlich so, dass, was einmal gedacht/getippt wurde, nicht mehr zurückgenommen werden kann. Die Daten bleiben im Besitz von Facebook. Wahrscheinlich sogar, nachdem man sie gelöscht (sprich: für andere unsichtbar) gemacht hat.

Die Tatsache, dass alle diese Daten einem einzigen Unternehmen gehören sollen und nicht einem selbst, wollten die vier New Yorker Informatikstudenten Dan Grippi, Max Salzberg, Raphael Sofaer und Ilya Zhitomirsky nun nicht länger hinnehmen. Nach einer Vorlesung des Jusprofessors Eben Moglen hatten sie die Idee, ein offenes, dezentrales, soziales Netzwerk zu schaffen. Ziel ist es, dass all die Dinge, die wir an Facebook so lieben (die kleinen Spiele, Status Updates, Fotos, Videos, Veranstaltungen…) funktionieren sollen, die Daten jedoch nicht Facebook, sondern einem selbst gehören sollen. Einerseits soll das realisiert werden, in dem die Daten am eigenen Rechner gespeichert werden, alternativ dazu haben die Studenten aber auch vor eine Plattform anzubieten, auf die man die Daten hochladen kann, im Unterschied zu Facebook werden sie dort jedoch verschlüsselt vorliegen. Der Name des Sozialen Netzwerks wird Diaspora sein, was laut Wikipedia “religiöse oder ethnische Gruppen bezeichnet, die ihre traditionelle Heimat verlassen haben und unter Andersdenkenden lebend über weite Teile der Welt verstreut sind.”

Ziel der vier Studenten war es, über die Plattform Kickstarter zehntausend Dollar für ihr Projekt aufzutreiben. Die Sehnsucht nach Datenschutz und Privatsphäre dürfte jedoch viel größer sein, als es sich die vier in ihren kühnsten Träumen erwartet hätten: sie stehen im Moment bei über 180 000 Dollar.

Im folgenden Video erklären die Studenten, was Diaspora sein wird und warum sie von ihrer Idee so begeistert sind:

Diaspora soll im September starten. Wer bis dahin nicht auf Facebook verzichten will, sollte sich auch das hier einmal ansehen: Reclaim Privacy

Weiterführende Links:
Offizieller Blog
Spenden auf Kickstarter
Diaspora in der Wikipedia
Diaspora: Offene Alternative zu Facebook [ORF Futurezone]
Vier Studenten wollen Facebook Konkurrenz machen [Die Presse]


Data.gov

5. Mai 2010

Immer wieder hören wir davon, dass durch modernes E-Government enorme Verwaltungskosten eingespart werden können. Das Einsparen von Kosten ist meiner Meinung nach aber nur eines von vielen Argumenten, tatsächlich bietet E-Government Chancen, die weit darüber hinausgehen.

Regierungen und Ministerien verwalten für gewöhnlich gewaltige Mengen an Daten: Daten über Arbeitslosen- und Beschäftigungszahlen, das Auftreten von Krankheiten, das Wetter, Unfallsstatistiken und und und. Diese Daten sind auch öffentlich zugänglich (oder sollten es zumindest sein). Das Problem ist nur, die Daten liegen im Normalfall als reiner Text vor (doc, pdf, html) und sind auch uneinheitlich formatiert, sodass ein durchschnittlicher Bürger kaum etwas damit anfangen kann.

Die großartige Idee, die einige Web-Vordenker (darunter auch WWW-Erfinder Tim Berners-Lee) also entwickelt haben, ist diese Daten als XML-Datensets öffentlich zur Verfügung zu stellen. Das ermöglicht es Entwicklern auf der ganzen Welt, diese Daten miteinander zu verknüpfen, zu visualisieren und Zusammenhänge sichtbar zu machen, die zuvor nicht offensichtlich waren. Die Obama-Administration hat zu diesem Zweck das Portal Data.gov (unter der Leitung von CIO Vivek Kundra) geschaffen, das auch in Großbritannien schon Schule gemacht hat, wo Data.gov.uk geschaffen wurde. Berners-Lee benutzt hierzu den einprägsamen Vergleich mit fruchtbarer Erde und Pflanzen: je heterogener und umfangreicher die zugrunde liegende Datenmenge ist, desto größere und schönere Blumen werden daraus gedeihen.

Hier der dazugehörige TED-Talk:

Meines Erachtens ist es höchste Zeit, dass sich auch Europa dieser Entwicklung annimmt. Die Art und Weise wie hier (in Österreich) aber auch in den meisten anderen europäischen Ländern regiert und verwaltet wird, wird den technologischen Möglichkeiten leider nicht gerecht.

Weiterführende Links:
Data.gov
Data.gov.uk


Google kauft BumpTop

3. Mai 2010

BumpTop ist ein Tool, das die Desktop(Schreibtisch)-Metapher überdenkt und den Desktop mehr wie einen richtigen Schreibtisch und daher intuitiver machen soll. Würden wir nicht alle einmal gern unsere Downloads auf einen Haufen werfen oder sie unter den anderen verstecken (quasi unter den Teppich kehren)? Wie das gehen soll, demonstriert das folgende Video (ein TED-Talk vom Juni 2007):

Diese Firma wurde nun von Google aufgekauft, was zu spannenden Änderungen bei der Nutzbarkeit der Google-Online-Dienste (Docs, Gmail, Wave) führen könnte (wer’s noch nicht weiß: ich bin ein Usability-Freak). Weiters denke ich, dass diverse Aspekte von BumpTop auch in das Handy-Betriebssystem Android sowie in das in Entwicklung befindliche ChromeOS einfließen könnten.

Wer BumpTop ausprobieren möchte, kann es nur noch diese Woche herunterladen.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.