Flattr – Social Micropayments

26. April 2010

Es ist meine tiefe Überzeugung, dass jeder im Web nicht nur Konsument sein sollte, sondern auch Dinge produzieren und teilen sollte. (Das ist auch der Grund, warum ich vom iPad ein wenig enttäuscht bin, aber dazu komme ich ein anderes Mal.) Was viele Leute bisher davon abgehalten hat: Es gibt kein vernünftiges, wirklich einfaches Bezahlsystem, das eine Mehrheit der User zu nutzen bereit ist. Es braucht Vermittler wie iTunes und App Store, Google Checkout, Ebay oder Amazon.

Peter Sunde, Mitbegründer der Torrent-Tracker-Seite ThePirateBay, hat diesen Missstand erkannt und mit vier weiteren Leuten das Start-Up Flattr gegründet (der Name ist ein Wortspiel mit dem Wort Flatrate). Die grundlegende Idee ist, dass Flattr-Nutzer eine selbst festgelegte Flatrate (z.B. 2 Euro) zahlen. Content-Produzenten, z.B. Blogger, können auf ihrer Seite den Flattr-Button einbauen. Immer wenn einem Flattr-User etwas gefällt (z.B. ein Blogbeitrag, ein Lied, ein Video…) klickt er auf den dazugehörigen Flattr-Button. Am Ende eines Monats wird die bezahlte Gebühr dann gleichmäßig auf alle geklickten Flattr-Nutzer aufgeteilt. Flattr kann also sowohl dazu genutzt werden, Content-Produzenten zu unterstützen, als auch dazu, selbst Geld mit dem eigenen Content zu verdienen (ein erklärtes Ziel von Flattr ist es, genau diese Grenze zwischen Content-Produzenten und Content-Konsumenten verschwimmen zu lassen).

Im folgenden Video fällt auch dieses Zitat: “Viele kleine Ströme formen einen großen Fluss.”

Interessant finde ich auch, dass Peter Sunde Flattr nicht als “payment model”, sondern als “appreciation model” bezeichnet. Es geht also mehr um Wertschätzung, als um Bezahlung. Außerdem muss der Content auf Flattr frei sein. Es widerspricht den Richtlinien, Content erst dann preiszugeben, wenn dafür bezahlt wurde.

Im Übrigen erinnert mich das System auch sehr an die Mikrokredite der von Muhammad Yunus gegründeten Grameen Bank. Für dieses Konzept wurde er 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Weitere Artikel über Flattr:
Flattr: Content im Internet neu denken (Golem.de)
Flattr: Pirate-Bay-Gründer startet Bezahlsystem (futurezone.ORF.at)
Ein erster Blick auf Flattr (netzwertig.com)


Google Wave

19. April 2010

Google Wave wurde das erste Mal am 27. Mai 2009 bei der jährlichen Google I/O (eine der größten Web-Developer-Konferenzen) vorgestellt.

Es ist nicht einfach, Google Wave schnell und verständlich zu erklären, dennoch tut es dieser Satz recht gut: Google Wave ist so wie E-Mail, wenn es heute erfunden worden wäre. Das E-Mail-Protokoll, das wir bis heute verwenden, ist ziemlich veraltet, um genau zu sein wurde es schon vor rund 40 Jahren entwickelt. E-Mail war auch ursprünglich nicht für Attachments, sondern nur für simple, asynchrone Text-Übertragung gedacht.

Google Wave geht einen Schritt weiter. Es ermöglicht all die Vorzüge, die wir heute von Blogs, Wikis, Instant Messaging usw. gewohnt sind. Wie das gehen soll? Eine Wave liegt immer an einem zentralen Ort (Server), auf den alle gemeinsam zugreifen. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu E-Mail, wo verschiedene Kopien von Benutzer zu Benutzer (Clients) hin- und hergereicht werden. Wave ermöglicht daher sowohl asynchrone Kommunikation (genauso wie E-Mail) als auch synchrone Kommunikation (so ähnlich wie Instant Messaging), mit dem Unterschied, das man live sehen kann, was der andere/die anderen gerade tippen.

Im Folgenden zähle ich ein paar Punkte auf, die, wie ich glaube, in den nächsten Jahren Wave zum Erfolg verhelfen werden:
1) Wave ist ein offenes Protokoll:
Auch andere Firmen (selbst Microsoft) können ihren eigenen Wave-Server aufsetzen und somit den Wave-Service für ihre Kunden anbieten.
2) API’s: Wave bietet Schnittstellen für Webentwickler und Programmierer an, die eine einfache Erweiterbarkeit ermöglichen.
3) Gadgets: Gadgets sind Erweiterungen, die sich in Waves einbinden lassen. Schon jetzt gibt es viele mehr oder weniger sinnvolle Gadgets, die beispielsweise das gemeinsame Editieren von Einkaufslisten, Rezepten, Arbeitsprojekten usw. ermöglichen. Es gibt auch Gadgets für Videokonferenzen, gemeinsames Zeichnen und Sudokus.
4) Robots: Robots sind etwas anders als Gadgets. Auf den ersten Blick sehen sie aus, wie ein normaler User. In Wahrheit aber sind sie Programme (quasi Roboter), die an der Wave teilnehmen. Es gibt beispielsweise Robots, die geschriebene Texte live(!), also schon während sie getippt werden, in beliebige Sprachen übersetzen. Das ermöglicht (theoretisch) die synchrone Kommunikation zwischen Benutzern unterschiedlicher Muttersprache und könnte für die Zukunft von fundamentaler Bedeutung sein (Stichwort Globalisierung). Andere Robots bessern z.B. Rechtschreibfehler aus oder formatieren Formeln via LaTeX.

Hier noch ein Video, das Google Wave kurz und bündig erklärt:

Google Wave kann man derzeit nur nutzen, wenn man dazu eingeladen wurde. Ich verlose 6 Einladungen. Einfach ein Kommentar mit Mail-Adresse hinterlassen und meinen Blog weiterempfehlen, indem ihr ihn auf eurer Website, Facebook oder Twitter verlinkt. (Tipp: statt dem @-Zeichen am besten etwas anderes schreiben, z.B. # oder “ätt”, um nicht von Spam-Bots in die Spam-Liste aufgenommen zu werden).

Die ersten 6 bekommen dann eine Einladung.


Ecosia – Die grüne Suchmaschine

16. April 2010

Heute hat mich ein guter Freund auf eine neue Suchmaschine aufmerksam gemacht: Ecosia.
Der Unterschied zu den bekannteren Suchmaschinen ist, dass bei Ecosia 80% (oder mehr) der Werbeeinnahmen an ein Regenwaldschutzprogramm des WWF gespendet werden. Jede Suchanfrage an eine Suchmaschine verbraucht Energie und sorgt in Folge für CO2-Emission. Bei Ecosia bedeutet jede Suchanfrage gleichzeitig eine Spende für die Rettung des Regenwalds, die grüne Lunge unseres Planeten.

Ecosia lässt sich auch als Browser-Erweiterung installieren. Derzeit werden Firefox und Internet Explorer unterstützt. Beta-Versionen existieren für Google Chrome, Opera und Safari.


Die Geschichte des Internets

16. April 2010

Heute gibt es ein sehr anschauliches Video zur Geschichte des Internets. Wer immer schon einmal eine verständliche Erklärung geliefert bekommen wollte, wie das Internet eigentlich zustande kam, findet sie in diesem Video:


WikiLeaks

14. April 2010

WikiLeaks ist eine nach dem Wiki-Prinzip aufgebaute Plattform, die es möglich macht, unethisches Verhalten von Regierungen und Organisationen anonym zu dokumentieren. Ein hohes Maß an Bekanntheit und weltweite Erwähnung in den Medien erlangte WikiLeaks erst vor kurzem nach Veröffentlichung eines Videos, in welchem über 12 unschuldige Zivilisten, darunter 2 Reuters-Journalisten, von der US-Armee aus einem Helikopter heraus erschossen wurden. Die Videokamera eines Journalisten wurde dabei fälschlicherweise als Waffe erkannt. Auch nachdem ein Bus (in dem auch Kinder waren) anhielt, um den Verletzten zu helfen, wurde das Feuer nicht eingestellt. Nachdem von Reuters nachgefragt wurde, wie es zum Tod der Journalisten kam, erhielten sie folgende Antwort:

„Es steht außer Frage, dass die Streitkräfte der Koalition sich eindeutig in Kampfhandlungen gegen feindliche Kräfte befanden.“ – Lieutenant-Colonel Scott Bleichwehl: New York Times (aus der Wikipedia)

Nun, dank WikiLeaks können Sie jetzt selbst urteilen, ob es sich hierbei um Kampfhandlungen gegen feindliche Kräfte handelt:

Julian Assange, einer der beiden Sprecher von WikiLeaks, war übrigens letztens beim “Colbert Report”, eine der meiner Meinung nach großartigsten US-amerikanischen Comedy-Serien:

Julian Assange beim “Colbert Report”

Update: Heute (15. April 2010) wurde auch auf futurezone.ORF.at über WikiLeaks berichtet und der zweite WikiLeaks-Sprecher Daniel Schmitt interviewt: Interview mit Daniel Schmitt


An anthropological introduction to YouTube

10. April 2010

Heute möchte ich einen Vortrag von Michael Wesch, der Professor für Kulturanthropologie and der Kansas State University ist, vorstellen. Er ist eine meiner Meinung nach sehr gute Einführung in die anthropologischen Aspekte von YouTube und zeigt, warum YouTube/Online-Video möglicherweise eine der größten Errungenschaften seit der Erfindung des Buchdrucks ist. Laut Wikipedia wird derzeit geschätzt, dass 24 Stunden Videomaterial pro Minute auf YouTube landen. Auf YouTube gibt es also mehr Videomaterial als von allen Fernsehsendern der Welt in Summe jemals ausgestrahlt wurde.

Ein weiteres Video der Forschungsgruppe von Professor Wesch zeigt die Bedeutung und den Einfluss, die Social Media bereits jetzt auf uns haben. Keine Angst, es ist nicht so lange wie das erste.

The Machine is Us/ing Us:


Das Web verändert die Welt

9. April 2010

Der ungeheure Erfolg von Social Media- und Web 2.0-Applikationen hat zu einem weltweiten Paradigmenwechsel geführt. Es sind nicht länger (ausschließlich) große Content-Produzenten (Zeitungen, Fernsehsender, Plattenlabels…), die Content produzieren. Dank Weblogs, Wikis, YouTube und Co. wird Otto Normaluser zum Produzenten. Das neue Internet befreit uns endlich vom Paradigma der Einweg-Kommunikation (wie wir es vom Fernsehen und Zeitunglesen gewohnt sind) und macht uns selbst zu Sendern.

Welch ungeheure politische Bedeutung das hat, haben unter anderem die Obama-Wahlkampagne, die Twitter-Revolution im Iran 2009 und die #unibrennt/#unsereuni-Proteste, die von den österreichischen Universitäten ausgingen, gezeigt.

In diesem Blog möchte ich immer wieder Kommentare abgeben, die mit dem transformativen Charakter des Webs in Verbindung stehen.


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