Es ist meine tiefe Überzeugung, dass jeder im Web nicht nur Konsument sein sollte, sondern auch Dinge produzieren und teilen sollte. (Das ist auch der Grund, warum ich vom iPad ein wenig enttäuscht bin, aber dazu komme ich ein anderes Mal.) Was viele Leute bisher davon abgehalten hat: Es gibt kein vernünftiges, wirklich einfaches Bezahlsystem, das eine Mehrheit der User zu nutzen bereit ist. Es braucht Vermittler wie iTunes und App Store, Google Checkout, Ebay oder Amazon.
Peter Sunde, Mitbegründer der Torrent-Tracker-Seite ThePirateBay, hat diesen Missstand erkannt und mit vier weiteren Leuten das Start-Up Flattr gegründet (der Name ist ein Wortspiel mit dem Wort Flatrate). Die grundlegende Idee ist, dass Flattr-Nutzer eine selbst festgelegte Flatrate (z.B. 2 Euro) zahlen. Content-Produzenten, z.B. Blogger, können auf ihrer Seite den Flattr-Button einbauen. Immer wenn einem Flattr-User etwas gefällt (z.B. ein Blogbeitrag, ein Lied, ein Video…) klickt er auf den dazugehörigen Flattr-Button. Am Ende eines Monats wird die bezahlte Gebühr dann gleichmäßig auf alle geklickten Flattr-Nutzer aufgeteilt. Flattr kann also sowohl dazu genutzt werden, Content-Produzenten zu unterstützen, als auch dazu, selbst Geld mit dem eigenen Content zu verdienen (ein erklärtes Ziel von Flattr ist es, genau diese Grenze zwischen Content-Produzenten und Content-Konsumenten verschwimmen zu lassen).
Im folgenden Video fällt auch dieses Zitat: “Viele kleine Ströme formen einen großen Fluss.”
Interessant finde ich auch, dass Peter Sunde Flattr nicht als “payment model”, sondern als “appreciation model” bezeichnet. Es geht also mehr um Wertschätzung, als um Bezahlung. Außerdem muss der Content auf Flattr frei sein. Es widerspricht den Richtlinien, Content erst dann preiszugeben, wenn dafür bezahlt wurde.
Im Übrigen erinnert mich das System auch sehr an die Mikrokredite der von Muhammad Yunus gegründeten Grameen Bank. Für dieses Konzept wurde er 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Weitere Artikel über Flattr:
Flattr: Content im Internet neu denken (Golem.de)
Flattr: Pirate-Bay-Gründer startet Bezahlsystem (futurezone.ORF.at)
Ein erster Blick auf Flattr (netzwertig.com)
Verfasst von bernhardfischer 